Naturnah pflegen

Was bedeutet es eigentlich, Grünflächen in der Stadt naturnah zu pflegen? Im Folgenden stellen wir verschiedene Maßnahmen vor, wie die einzelnen Elemente des Stadtgrüns ökologisch gestaltet und gepflegt werden können.

Grünes Licht für wilde Wiesen

Eine naturnah gepflegte Wiese besteht aus heimischen Gräsern, Kräutern und Wildblumen, die bis zur Blüte und Samenbildung wachsen dürfen. Darüber freuen sich Pflanzen und Tiere! Im Gegensatz zu einem artenarmen Vielschnittrasen wird eine Wiese nur selten gemäht. Das fördert die biologische Vielfalt: Hier gedeihen heimische Wildblumenarten wie Schafgarbe, Flockenblume oder Hornklee und an ihren Blüten finden Insekten Nahrung.

Vom Wechselflor zum nachhaltigen Staudenbeet

An vielen Stellen in der Stadt sind Zierbeete und sogenannte Wechselflore mit Geranien, Stiefmütterchen oder anderen prächtig blühenden Pflanzen angelegt. Diese Beete sehen zwar schön aus, haben allerdings ihren Preis, denn die Bepflanzung muss mehrmals im Jahr ausgewechselt werden. Langlebige und pflegereduzierte Staudenbeete stellen dazu eine ökologisch nachhaltigere und kostengünstige Alternative dar: Durch Selbstaussaat oder Ausbreitung zieren die attraktiven Pflanzungen oft über Jahre hinweg das Stadtgrün, ohne dass groß eingegriffen werden müsste. Werden vorwiegend heimische Arten in den Pflanzungen verwendet, profitieren auch viele Insekten und Vögel, da ihnen die Blüten und Samen der Stauden als Nahrung dienen.

Artenreiche Riesen

Bäume entfalten viele positive Wirkungen in der Stadt. Sie fördern die Gesundheit und unser Wohlbefinden, verbessern das Stadtklima und filtern Schadstoffe aus der Luft. Auch für die biologische Vielfalt sind sie von großer Bedeutung, da sie vielen Tieren wie Insekten, Vögeln und Fledermäusen Nistplätze, Schutz und Nahrung bieten. Bäume in der Stadt sind jedoch häufig starken Widrigkeiten wie einer hohen Salz- und Schadstoffbelastung oder extremer Trockenheit und Hitze ausgesetzt. Umso wichtiger ist es daher, bei der Pflanzung darauf zu achten, dass die Baumart an den jeweiligen Standort angepasst ist.

Ab durch die Hecke!

Hecken und Sträucher erfüllen viele Funktionen: Als grüne Zäune dienen sie als Sicht- und Windschutz und begrenzen Flächen. Vor allem aber bieten sie heimischen Tierarten einen wichtigen Lebensraum. Vögel nutzen sie als Brutgelegenheit, an ihren Blüten finden Insekten einen reichgedeckten Tisch, ihre Früchte sind beliebte Leckereien für verschiedenste Kleintiere. Besonders vorteilhaft ist auch hier die Verwendung heimischer Arten, da nicht-heimische Zierhecken wie beispielsweise Thujen nur wenigen Tierarten als Nahrungsquelle dienen. Um Rücksicht auf brütende Vögel und andere Tiere zu nehmen, dürfen Hecken und Sträucher in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September nicht zurückgeschnitten werden (§ 39 BNatSchG).

"Versäumte" Ränder

Als Übergänge zwischen verschiedenen Biotopen sind grüne, naturbelassene Ränder, Säume und Uferbereiche besonders vielseitig und bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. Da sie außerdem verschiedene Lebensräume in der Stadt miteinander vernetzen, stellen sie für Amphibien, Reptilien und viele andere Lebewesen wichtige Wanderkorridore dar. Mit dem Belassen von Rändern und Säumen an Wegen, Straßen und Gehölzflächen kann jede Kommune auf einfache und effektive Weise für mehr biologische Vielfalt in der Stadt sorgen. Neben einem artenarmen Vielschnittrasen kann beispielsweise am Rand nur ein oder zwei Mal jährlich gemäht werden. Dadurch können artenreiche Wiesenränder entstehen.

Schutz durch Verzicht

Mit Maßnahmen wie dem Pestizid- und Torfverzicht lassen sich Natur, Umwelt und Klima über die Siedlungsgrenzen hinaus schützen. Der überwiegende Teil der für den Garten- und Landschaftsbau verwendeten Blumenerde enthält Torf. Im Zuge des Torfabbaus werden jedoch Moore zerstört. Diese beheimaten bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie Goldregenpfeifer, Hochmoorbläuling oder Sonnentau und binden zudem große Mengen des klimaschädlichen Kohlendioxids. Auch der Einsatz von Pestiziden trägt wesentlich zum Rückgang der biologischen Vielfalt bei. In der Stadt ergeben sich zudem unmittelbare Risiken für die Gesundheit des Menschen. Auf Torf und Pestizide sollte daher verzichtet werden.

Mehr Natur wagen

Für die gezielte Förderung der biologischen Vielfalt in Städten existieren vielfältige Mittel: Artenschutzmaßnahmen und -programme oder die Entwicklung von Biotopen können beispielsweise dazu beitragen, ein artenreiches Stadtgrün zu schaffen. Oft können Kommunen bereits mit geringem Aufwand zusätzlichen Lebensraum für zahlreiche Arten schaffen: Durch die Bereitstellung von Insektenhotels, von Nistkästen für Vögel, von Laub- und Reisighaufen für Igel oder Haselmäuse oder Steinhaufen für Eidechsen. Zusätzlich eignet sich der Bau von Bienenhotels oder Vogelnistkästen als Umweltbildungsprojekt an Schulen oder Kindergärten.